„Friedensbildung beginnt im Klassenzimmer“

Alle Schülerinnen und Schüler waren dabei, als das Göppinger Mörike-Gymnasium den Weg für mehr Frieden eingeschlagen hat. Es geht darum, Werte wie Toleranz im Schulalltag zu verankern.

Maria Rauhut liebt Einhörner. „Sie stehen für etwas Schönes und Besonderes“, meinte die Schulleiterin des Göppinger Mörike-Gymnasiums. Kein Wunder, dass dieses Wesen auch die Auftaktveranstaltung zur Modellschule Friedensbildung der Stadthalle begleitete. Ein Wesen, das für Reinheit, Stärke, Freiheit und das Gute steht. „Frieden ist kein Fabelwesen, Frieden kann Wirklichkeit werden“, rief sie den Schülerinnen und Schüler sowie den Lehrkräften von der Bühne aus zu. Das Mögy hat sich am Donnerstagvormittag mit einer Feierstunde auf den Weg gemacht, das Thema Frieden und Gerechtigkeit in all seinen Facetten im Schulalltag zu verankern. An einem Ort, wo tagtäglich hunderte verschiedene Menschen miteinander auskommen müssen, machte Rauhut deutlich.

Frieden entstehe auf dem Schulhof, im Klassenzimmer oder in einer WhatsApp-Nachricht. Es gehe darum, unterschiedliche Meinungen gelten zu lassen, ohne einander abzuwerten oder auch zu lernen, wie man richtig streitet. „Modellschule bedeutet nicht, dass wir wissen, wie Frieden geht“, betonte die Schulleiterin. Vielmehr gehe es darum, einen Prozess anzustoßen und aus Fehlern zu lernen. Maria Rauhut verriet bei dieser Gelegenheit auch, dass sie nicht nur Einhörner, sondern auch Yoga mag. Eine Möglichkeit, seine innere Mitte wahrzunehmen. „Wer Frieden in sich selbst findet, geht auch friedlich mit anderen um“, ist die Pädagogin überzeugt. Sie forderte die Schulgemeinschaft auf, mit den Händen ein Herz zu formen – denn „Frieden beginnt im Miteinander“, so war auch die Auftaktveranstaltung überschrieben.

Das Mörike-Gymnasium kann sich nun binnen eines Jahres mit einem weiteren Titel schmücken. Seit Oktober 2025 trägt die Schule offiziell das Siegel „Partnerschule der Olympiastützpunkte“ und kann seither Schule und Leistungssport noch enger verzahnen. Die seltene Auszeichnung wurde seinerzeit mit einem kurzweiligen, frischen, sportlichen, musikalischen und emotionsgeladenen Programm gefeiert. Ein solches hatte das Mögy auch für den Startschuss in puncto Friedensbildung auf die Beine gestellt. Drei Schüler führten durch das Programm, viele weitere waren in die musikalischen und sportlichen Darbietungen eingebunden. Ein Zeichen für ein gelebtes Miteinander.

Johannes Heberle, Erster Bürgermeister der Stadt Göppingen, gab Impulse, über „das kostbare Gut des Friedens“ nachzudenken. Gerade in Zeiten, in denen die Welt von Konflikten und Unruhen gezeichnet sei. „In einer Welt, in der Populismus, Nationalismus und Intoleranz wieder auf dem Vormarsch sind, ist es unsere Aufgabe, wachsam zu sein“, sagte der für Schulen verantwortliche Bürgermeister. „Frieden erfordert Einsatz, Mut und Verantwortung, in der Politik, in der Gesellschaft, aber auch im Alltag, und beginnt bei jedem Einzelnen von uns.“ Schulen komme dabei eine besondere Bedeutung zu, unterstrich Heberle. „Schulen sind Bildungsorte, an denen das Gemeinsame täglich gelebt wird.“ Im Unterricht, in der Pause, in Arbeitsgemeinschaften oder auf Klassenfahrten. In Schulen träfen unterschiedliche Lebenswelten, Meinungen und Hintergründe aufeinander. „Wenn es uns gelingt, in der Schule Respekt, Fairness, Dialogbereitschaft und Verantwortung zu fördern, dann leisten wir einen ganz konkreten Beitrag zu einer friedlicheren Gesellschaft.“ Was die Kinder und Jugendlichen hier lernten, trage jeder hinaus in die Stadt, in Familien, in Vereine und später in die Arbeitswelt.

Dass Frieden weit mehr ist als die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, machte Professor Dr. Johannes Frühbauer deutlich. Der Akademiedirektor der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart zeigte in seiner zwölfminütigen Redezeit auf, dass es um zwischenmenschliche Werte wie Fairness, Toleranz und Zusammenhalt geht, aber auch um Strukturen und Gefüge innerhalb eines Staates, aber auch in der internationalen Gemeinschaft. „Frieden und Menschenrechte sind nicht selbstverständlich und müssen immer wieder neu errungen werden“, sagte Frühbauer. Das Einmaleins dazu könne man an einer Schule lernen, die Modellschule Friedensbildung stoße hier einen Prozess an. Uli Jäger von der Berghof Foundation, die das Projekt begleitet, ermutigte die Schüler und Lehrkräfte, den vorgegebenen Rahmen mit „Ideen, Kreativität und Phantasie“ zu füllen, Verena Krautter von der Servicestelle Friedensbildung Baden-Württemberg gab der Mögy-Familie noch ein paar Fragen zum Nachdenken und Diskutieren mit auf den Weg. In Workshops in der Schule ging es danach direkt weiter. Ein erster Schritt für mehr Toleranz, Respekt, Fairness – und Frieden.

 

Text: Susann Schönfelder 
Bilder: Schule
Veröffentlicht: 12.10.2026

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Wir danken der NWZ sehr herzlich für die Bereitstellung dieses Artikels für unsere Webseite. Den Original-Artikel befindet sich hier: https://www.swp.de/lokales/goeppingen/goeppinger-moerike-gymnasium-wird-modellschule-friedensbildung-beginnt-im-klassenzimmer-79523087.html

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Auftaktveranstaltung in der Stadthalle

Kreative Mittagspause

Workshop-Ergebnisse